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CRA Vorträge

Vortrag: "Vom Case-Management zum ambulant Betreuten Wohnen. Aufbau individualisierter Versorgungsansätze"

Referent:

Prof. Dr. med. Markus Banger, Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Ärztlicher Direktor LVR-Klinik Bonn

Nahezu sämtliche Publikationen aus der deutschen psychiatrischen Versorgungsforschung weisen auf die Brüche zwischen dem ambulanten und stationären Versorgungssystem hin und sehen eine große Schnittstellenproblematik. Es werden in dem Vortrag zwei Modelle einer transsektoralen Versorgung der LVR-Klinik Bonn vorgestellt, die eine individualisierte Betreuung und Behandlung ermöglichen. Zum einen das Case-Management-Modell und zum anderen das ambulante "Akut-Betreutes Wohnen". Ziele des Case-Management wurden im Kontext eines IV-Projektes mit den beteiligten Krankenkassen abgesprochen: Die durchgehende Behandlung der teilnehmenden Patienten unabhängig ob sie ambulant, stationär oder sogar in einer anderen Einrichtung versorgt werden. Weiterhin sollen Notfallsituationen zügig erkannt werden und unnötige stationäre Aufenthalte sollen durch konkrete Hilfestellungen vermieden werden. Hausbesuche sollen durchgeführt werden und es sollen regelhaft Abstimmungsprozesse mit allen an der Versorgung der Patienten beteiligten Personen vorgenommen werden. Es werden die Ergebnisse aus dem Bonner Case-Managementmodell präsentiert, die letztendlich zu einem Einstellungswechsel beim psychiatrischen Fachpersonal geführt haben. Der Chroniker, bei dem man vorher ein Gefühl des "Nicht-wirksam sein", hatte, steht nun im Focus und kann sich deutlich, durch mehr Zuwendung, ohne Einhaltung von sektoralen Zuständigkeitsgrenzen, stabilisieren. Dies führt zu Entlastung der Mitglieder der therapeutischen Teams. Weiterhin wird das Konzept des "Akut-Betreuten Wohnens" im Kontext einer psychiatrischen Institutsambulanz vorgestellt. Dabei ist ein mehrfacher Perspektivenwechsel notwendig. Einmal der Wechsel von der Anbieterperspektive zur Nutzerperspektive, aber auch der Blick auf das gesamte Versorgungssystem ist notwendig um kooperative verbindliche Strukturen aufzubauen. Als eine Möglichkeit wird der Aufbau von regionalen Planungskonferenzen genannt, wie sie der LVR umsetzt. In diesen können z.B. individuelle Betreuungsbedarfe, Behandlungsbedarfe und Wohnraumbedarfe im Kreis der Versorgungsverantwortlichen besprochen, ggf. Leistungen zugesagt oder auch Versorgungsstrukturen weiterentwickelt werden. Dabei soll die Haltung entwickelt werden: "Es geht ganz viel."

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Vortrag: "Suizidalität und Beschäftigung"

Referentin:

Prof. Barbara Schneider, Chefärztin LVR-Klinik Köln

Soziale Faktoren beeinflussen das Suizidrisiko. Wichtige soziale Faktoren sind beruflicher und Beschäftigungsstatus. In Bezug auf Suizidalität ist be-kannt, dass Arbeitslosigkeit und lange Arbeitsunfähigkeit Risikofaktoren für Suizid sind. Geringe berufliche Qualifikation ist mit einem erhöhten Suizidrisiko assoziiert; zudem ist das Suizidrisiko für bestimmte Berufsgruppen unterschiedlich hoch. Beeinflusst wird das Suizidrisiko auch durch Arbeitsbedingungen.

Vortrag: Disability Management

Beratung, Unterstützung und Heranführung an den Arbeitsmarkt für Menschen mit starken gesundheitlichen Problemen am Beispiel des Jobcenters

Referentin:

Brigitte Carl
Pohligstr. 3
50969 Köln (Nordrhein-Westfalen)
E-Mail: brigitte.carl@jobcenter-ge.de

Das spezielle Beratungsangebot (Fallmanagement) im Jobcenter Köln richtet sich an alle Langzeitarbeitslosen Kundinnen und Kunden des Jobcenters Köln, die aufgrund spezifischer Probleme einen besonderen Unterstützungsbedarf haben. Hier spielt die Suchtproblematik, Folgeerkrankungen und besonders auch die zunehmenden psychischen Erkrankungen im Beratungsalltag der Fallmanagerinnen und Fallmanager, eine große Rolle.
Dargestellt werden insbesondere die speziellen Beratungsansätze im Jobcenter Köln für Menschen mit starken gesundheitlichen Problemen, sowie suchtgefährdete oder suchtkranke Kundinnen und Kunden. Bestandteil der Konzeption sind gute Vernetzung zu bestehenden Beratungseinrichtungen und die Entwicklung und Nutzung bedarfsgerechter Maßnahme - Angebote.

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Vortrag: Kinder- und Jugendpsychiatrie und CRA: Jugendliche und Adoleszenten

Von der Entzugs- bis zum Abschluß der Entwöhnungsbehandlung. Übergänge, Klippen und Möglichkeiten. Die Behandlung in der LVR-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Viersen.

Referentin

Frau Dr. Freia Hahn, Chefärztin, Kinder- und Jugendpsychiatrie, LVR-Klinik Viersen

Jugendliche, die aufgrund einer Substanzabhängigkeit in stationärer Behandlung sind, leiden nahezu alle an mindestens einer weiteren psychischen Erkrankung. Häufig kommen sie aus zerrütteten und sehr belasteten psychosozialen Verhältnissen, viele haben traumatische Erfahrungen. Mehr als die Hälfte hat keinen Schulabschluss und die meisten weisen erhebliche Entwicklungsdefizite auf. Motivation, Ausdauer, Frustrationstoleranz und Anstrengungsbereitschaft sind bei einem Großteil der Patienten deutlich reduziert. Welche Jugendlichen suchen also Behandlung? Wie lässt sich eine Motivation zur Behandlung bei den Jugendlichen aufbauen? Wie gehen wir neben der Substanzabhängigkeit und den komorbiden Störungen mit den erschöpften familiären und sozialen Ressourcen, mit Gewalt und Delinquenz bei den Jugendlichen um? Wer erklärt sich zuständig? Wieviel Zeit haben wir und was geschieht nach dem Abschluß der Entgiftungs- und Entwöh-nungsbehandlung? Anhand allgemeiner Daten und der Darstellung der spezifischen Behandlung an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der LVR-Klinik Viersen werden die Herausforderungen, die Möglichkeiten und die Übergänge unterschiedlicher Behandlungssysteme in der qualifizierten Entzugs- und Entwöhnungsbe-handlung substanzabhängiger Jugendlicher aufgezeigt.

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Vortrag "Essstörungen und Sucht"

Referent

Prof. Johannes Hebebrand, Klinikdirektor, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, LVR-Klinikum Essen/Universität Duisburg-Essen

Die Beziehung zwischen übermäßiger Nahrungszufuhr und Suchterkrankungen wird kontrovers diskutiert. Im DSM-5 ist die bisherige Kategorie „Störungen im Zusammenhang mit psychotropen Substanzen“ durch "Störungen im Zusammenhang mit psychotropen Substanzen und abhängigen Verhaltensweisen" ersetzt worden, so dass erstmalig nichtstoffgebundene Suchterkrankungen diagnostiziert werden können. In diesem Zusammenhang ergibt sich die Frage, ob „Food Addiction“ eine stoffgebundene oder nicht-stoffgebundene Sucht darstellt. "Food Addiction" wird mit der Yale Food Addiction Scale (YFAS) in Anlehnung an die Kriterien für eine Substanzabhängigkeit diagnostiziert. Die so definierte "Food Addiction" findet sich gehäuft bei Menschen mit Adipositas; in der Allgemeinbevölkerung liegt die Prävalenz bei ca. 5-10%. Da viele Patienten mit Essstörungen jedoch auch die Kriterien einer "Food Addiction" erfüllen, sollten die entsprechenden Items überdacht werden. Neurobiologisch gibt es eine breite Überlappung zwischen stoffgebundenen und nicht-stoffgebundenen Süchten, die phänomenologische, therapeutische, genetische und neurobiologische As-pekte umfasst. Hier sei insbesondere auf das Hormon Leptin hingewiesen, das einen ausgeprägten Effekt auf das Belohnungssystem hat und somit ein indirektes Bindeglied zwischen übermäßiger Nahrungszufuhr und Belohnungssystem darstellt. Wir fassen psychologische und neurobiologische Befunde zu "Food Addiction" zusammen, die aus unserer Sicht eher den nicht-stoffgebundenen Suchterkrankungen zugeordnet werden müsste.

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Vortrag: „Internetgestützte Therapie in der Suchtbehandlung“

Referentin

Martina Bertino: Bielefeld

Neue Medien sind ein fester Bestandteil unseres Alltags. Wir und unsere Patienten greifen darauf zur Kommunikation, Information und Vernetzung von Person und Daten zurück. Besonders Kinder, Jugendliche und junge Erwachsenen haben die neuen Medien in ihren Alltag fest integriert und benutzen sie routiniert. In Deutschland stehen Psychoedukation und Selbsthilfe-Programme im Netz zur Verfügung. Eine therapeutische Nutzung dieser Möglichkeiten findet aber bisher kaum statt. Auf Grund der Gesetzeslage und aus Angst, sich selber obsolet zu machen, scheuen sich viele Therapeuten, sich mit dieser Thematik auseinander zusetzen. Dennoch fragen v. a. junge Patienten diese Portale zunehmend im Netz nach.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Anwendbarkeit von neuen Medien im suchttherapeutischen Setting. Welche Möglichkeiten gibt es und wie sind sie anwendbar? Welche Perspektive eröffnet sich dadurch? Welche Grenzen sind zu erkennen?

Beispielhaft wird dieses ausführlicher an dem Programm "RADIUS" verdeutlicht. Ein "Blended-Treatment", das auf dem Community-Reinforcement-Approach (CRA) aufbaut. Ziel des Programms ist eine mediale und kontinuierliche Unterstützung während der ambulanten CRA-Behandlung. Dabei arbeiten Therapeut und Patient gemeinsam in einer nach "Gaming-Strategien" aufgebauten Website parallel zu den ambulanten Kontakten.

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Vortrag: "Was brauchen suchtkranke Eltern, um Ihre Elternschaft verantwortlich wahrnehmen zu können?"

Referentin:

Tanja Elisabeth Schmitz-Remberg M.A.
Co-Chair Chapter Development, International Association for Social Work with Groups inc. IASWG
Schmitz-Remberg & Team
41065 Mönchengladbach
Mobil: 0049 173 5767460
www.schmitzremberg.com

In diesem Vortrag schauen wir gemeinsam auf ausgewählte Aspekte elterlicher Verantwortung jenseits von den Mindestanforderungen rund um Kindeswohlgefährdung nach § 8a SGB VIII. Denn zahlreichen Eltern gelingt es durchaus ihr Leben mit den Kindern so zu gestalten, dass das unmittelbare Kindeswohl nicht gefährdet ist. Statistisch betrachtet stellen diese Familien sogar die Mehrheit dar. Als Praktikerin schule ich u.a. seit mehreren Jahren gemeinsam mit Prof. Dr.Klein päd. Fachkräfte im evidenzbasierten Gruppenangebot "Trampolin Plus" für Kinder aus sucht- und psychisch belasteten Familien. Rückblickend sowohl auf das BMG - Forschungsprojekt als auch auf die aktuellen Erfahrungen stelle ich in meinem Beitrag heraus, dass es im Rahmen einer CRA basierten Behandlung von suchtkranken Eltern wunderbar möglich ist, diese zu resilienzförderndem Verhalten gegenüber ihren Kindern zu ermutigen.
Ich wage ebenfalls die Hypothese, dass somit ein hilfreicher "Doppelschlag" gelingen kann: Unterstützung für die Kinder und die Eltern. Und was das alles mit einer Waage, einem Tuch und einer Tankstelle zu tun erfahren Sie während meines Vortrages.

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