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30 Jahre Forensikschule in Viersen

Die Forensikschule der LVR-Klinik Viersen feiert 30 jähriges Jubiläum.

Gisela Zangers ist eine der beiden Lehrerinnen an der Süchtelner
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Gisela Zangers (Lehrerin der Forensikschule)

Im September 1987 wurde in der forensischen Abteilung der Süchtelner Psychiatrie eine Schule für die Patienten eingerichtet.

Seit September 1987 sind die Bildungsangebote festes Angebot der Forensik in der LVR-Klinik Viersen. Die beiden Forensiklehrerinnen May-Britt Böttcher und Gisela Zangers nennen als wesentliche Schwerpunkte in der Arbeit der Forensikschule der LVR-Klinik Viersen: Deutsch als Zweitsprache, Alphabetisierung/Grundbildung sowie Vorbereitung auf Schulabschlüsse. Fester Bestandteil des Schulangebots sind außerdem die Redaktionsgruppe der Patientenzeitung und seit einigen Jahren auch eine Malgruppe. Besonders wichtig ist den Lehrerinnen der persönliche Kontakt zu den Patienten, denn für viele sind die Themen Schule und Lernen negativ besetzt. Die Schule in der Süchtelner Forensik bietet vielen der Patienten erstmals wieder eine Chance, Erfolge zu erzielen.

Erwachsenenbildung ist ein wichtiger Teil des therapeutischen Gefüges im Maßregelvollzug. Sie trägt dazu bei, dass die Patienten sich konstruktiv mit sich selbst auseinandersetzen und die eigenen Fähigkeiten realistisch einschätzen. Außerdem lernen die Patienten nicht nur ihre Grenzen kennen, sondern auch diese zu überwinden und durch Ausdauer und regelmäßige, verpflichtende Teilnahme am Unterricht positive Veränderungen zu erreichen. Das therapeutische Team ist regelmäßig im Austausch mit den Forensiklehrerinnen und gewährleistet so, dass Entwicklungen begleitet werden können.

Anlässlich des Jubiläums blickt ein ehemaliger Patient, Matthias S.*, zurück auf seine Zeit in der Forensikschule und berichtet von seinem Werdegang.

Welchen Bildungsweg haben Sie während Ihrer Zeit in der Süchtelner Forensik und danach eingeschlagen?

Ich habe in der Forensik bei Null angefangen. Das bedeutet, ich begann mit dem Hauptschulabschluss und arbeitete mich in der Schule der Forensik bis zur Fachoberschulreife plus Qualifikation durch. Mir wurde außerdem ermöglicht, das Fachabitur und das Abitur nachzuholen. Nach meiner Entlassung begann ich sogar ein Studium an der Hochschule Wuppertal im Fach Wirtschaftswissenschaften. Dieses musste ich aus finanziellen Gründen leider beenden.

Was machen Sie heute beruflich?

Ich bin ausgebildeter Kaufmann im Einzelhandel, habe mich aber danach zum Schweißer und danach nochmal zum Mitarbeiter im Sicherheitsdienst umschulen lassen. Im Sicherheitsdienst bin ich noch heute tätig.

Wodurch fühlten Sie sich für Ihren neuen Lebensabschnitt gut vorbereitet?

Die Schule der Forensik hatte mich damals super darauf vorbereitet wieder unter normalen Verhältnissen zu lernen. Ich lernte genau das, was andere auch an einer "normalen" Schule gelernt hatten. Es fehlte nie an Unterstützung von Seiten der Lehrer, der Therapeuten oder des Pflegepersonals. Ich konnte durch die Schule die restlichen unangenehmen Umstände ausblenden und fand wieder ein Ziel. Ich wurde nie wie ein ehemaliger Straftäter behandelt, sondern wie ein ganz normaler Schüler. Ich wurde gefördert und gefordert.

Von welchen Erfahrungen aus der Schule in der Forensik konnten Sie profitieren?

Da ich viele positive Erfahrungen und Erfolge durch das Lernen hatte, gab es für mich persönlich keinen Grund mich nach der Entlassung hängen zu lassen. Als Patient kennt man typische Rückschläge. Aus diesem Grund habe ich auch nach dem Abbruch des Studiums nicht den Kopf in den Sand gesteckt, sondern mir ein neues Ziel gesucht. Ich machte dann eine Ausbildung, die auch mit Führungsverantwortung verbunden war.

Was würden Sie anderen Patienten raten, die einen Schulabschluss anstreben?

Ich kann Patienten nur empfehlen in der Zeit ihres Aufenthaltes die Strohhalme zu ergreifen die einem geboten werden. Ein Schulabschluss ist immer enorm wichtig. Lernen trainiert das Gehirn und es wirkt sich mental sehr positiv aus. Es ist schön nach einer langen glücklosen Phase im Leben durch eigene Kraft belohnt zu werden. Bildung bedeutet außerdem ein besseres Einkommen, wenn man am Ball bleibt, und somit vielleicht einen besseren Lebensstandard und mehr Flexibilität. Ich drücke allen Patienten die Daumen für ihre selbstgewählte Zukunft und viel Freude in der Schule der Forensik.

*Name geändert